Betroffene kommen zu Wort

Betroffenenfälle 
Wir haben vor einigen Wochen einen Aufruf gestartet, weil wir im Rahmen unserer Führerschein-Kampagne auf der Suche nach Fällen von Personen sind, die aufgrund der aktuellen Rechtssprechung ihren Führerschein verloren verloren haben.
Die Geschichten, die wir im Laufe dieser Zeit zu hören bekamen, waren zum Teil unglaublich – und für uns das Zeichen, dass diese Kampagne wirklich mehr als notwendig ist!  
Wir zeigen euch hier fortlaufend die Geschichten von Betroffenen. Bitte habt dafür Verständnis, dass nicht jeder mit Bild oder seinem echten Namen genannt werden möchte. 
Über dreihundert Geschichten von Betroffenen wurden bislang gesichtet, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Erzähl auch du uns deine Geschichte!
Fall Nummer 1: Jonathan Sichart
2014 bin ich mit meinem Auto am Bodensee in eine Zollkontrolle geraten. Dabei wurden 0,2 g Cannabis sichergestellt. Daraufhin sollte ich mich einer kompletten körperlichen Durchsuchung unterziehen, die ich zunächst verweigerte. Darauf antwortete der Beamte, dass er Gewalt anwenden müsse, sollte ich mich weigern. Zudem würde er unter anderem Anzeige einreichen wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt. Da ich dies verhindern wollte, ließ ich mich durchsuchen.
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Fall 2: Sebastian Jahn* (Name geändert)
Anfang August 2015 bat mich mein Vater unser Wohnmobil, einen roten VW T3 Camper, in die Werkstatt zu fahren, weil der Auspuff abgefallen war. Das Fahrzeug parkte zu dem Zeitpunkt auf dem Parkplatz unserer Firma.
Ich hatte zuletzt über achtzehn Stunden vor dem Fahrtantritt Cannabis konsumiert, als ich gegen 16:00 Uhr den Wagen abholte und das Firmengelände verließ. Ich kam allerdings nicht weit, da ich bereits nach 50 Metern von einem Motorradpolizisten angehalten wurde. Seine Begründung: Er habe mich angehalten, weil ich aussehe wie ein Drogenkonsument. Nach einem einstündigen Hin und Her habe ich dann eingeräumt, in der Vergangenheit einmal Cannabis konsumiert zu haben. Da ich den Urintest verweigerte, wurde ich mit auf die Wache genommen, wo ein Bluttest gemacht werden sollte.
Da kein Richter zu erreichen war, der einen solchen Test genehmigen konnte, hat der Polizeibeamte sich diesen selbst erlaubt. Er erklärte mir, dass vor kurzem ein Gesetz eingeführt wurde, das Polizisten erlaubt, einen solchen Test anzuordnen, wenn kein Richter zu erreichen ist.
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Marvin Schmidt* (Name geändert)
Früher habe ich gerne ab und zu mal Cannabis geraucht. Vielleicht 3 Gramm die Woche. Meistens abends einen kleinen Feierabendjoint. Ich hatte aber durchaus auch Tage, an denen ich gar nichts konsumiert habe. Ich habe sehr niedrig dosiert geraucht und mich eigentlich nicht täglich weggedröhnt. Ich habe meinen Konsum also zur Erholung und Entspannung genutzt.
Eines ist mir überaus wichtig: Ich bin noch nie in meinem Leben bekifft Auto gefahren. Im Gegenteil, ich habe es gehasst, wenn ich bei Freunden von mir mitbekommen habe, wie sie Bong rauchten und sich dann kurz darauf in ein Auto setzen. Ich habe dafür absolut gar kein Verständnis, da ich der Meinung bin, dass die Reaktionszeit durch Cannabis bis 6 Stunden nach dem Konsum doch erheblich beeinträchtigt sein kann. Wenn man Cannabis konsumiert, sollte man aus meiner Sicht erst am nächsten Morgen wieder ein Fahrzeug führen.
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Tim Runge
In schlimmen Zeiten muss man ja wenigstens gut aussehen. Das dachte ich mir, als ich mich am 28.05.15 mit dem Auto meines Vaters auf dem Weg zum Friseur machte. Am darauffolgenden Tag fand die Trauerfeier meiner am 23.05.15 verstorbenen Mutter statt und für diesen traurigen Anlass wollte ich zumindest ordentlich aussehen.
Kaum hatte ich den Wagen am Bahnhof in Rendsburg geparkt, bemerkte ich den Zivilwagen der Polizei, der mich direkt einparkte. Die Beamten teilten mit, dass sie eine allgemeine Verkehrskontrolle mit mir machen wollen. Einer der Beamten fragte, ob ich Alkohol konsumiert hätte. Ich bejahte dies, um einem Urintest zu entgehen, da ich morgens um 07:00 einen Joint geraucht hatte, um nach einer schlaflosen Nacht der Trauer zumindest ein bisschen schlafen zu können.
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Christian Neuendorf
2013 hatte ich mich leider Zuhause ausgeschlossen, hatte aber glücklicherweise den Schlüssel meiner Lebensgefährtin dabei, die allerdings in einer anderen Stadt wohnte. Ungefähr um halb eins nachts, ich hatte mich gerade auf den Weg gemacht, wurde ich von der Polizei angehalten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich 5 oder 6 Tage nicht konsumiert.
Die Beamten sprachen mich direkt auf Betäubungsmittel an, was ich verneinte. Dann wurde ich um eine Urinprobe gebeten. Ich erklärte der Polizei, dass ich mich versehentlich ausgesperrt habe und direkt vor Fahrtantritt noch in ein Gebüsch uriniert hatte und somit nun nicht urinieren könne.
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