Matthias Fischer – kein Geld fürs Masterstudium dank MPU

Mein Name ist Matthias Fischer*, ich bin 33 Jahre alt und wohne im Rhein-Main Gebiet. Ich rauche Cannabis in der Regel nur zu besonderen Anlässen oder ab und zu auch mal zur Entspannung nach einem harten Arbeitstag. Damit würde ich rechtlich als „gelegentlicher Konsument“ gelten, denn dafür reicht es ja schon, wenn ich innerhalb der letzten zehn Jahre bereits mehr als einmal an einem Joint gezogen habe.
Da ich Nichtraucher bin, vertrage ich Tabak sowieso nicht so gut und verrauchte zu Höchstzeiten 1-2 g Cannabis im Monat, manchmal aber auch monatelang gar nichts. Meine ersten Joints rauchte ich erst mit 29, allgemein bin ich mit Drogen auch nicht sonderlich bewandert. Da ich in einer Region wohne, die eine gute ÖPNV-Verbindung hat, fahre ich generell sehr selten Auto und ich halte auch grundsätzlich nichts davon, sich berauscht hinters Steuer zu setzen.
Entsprechend hatte ich noch nie Probleme im Straßenverkehr und in meinen 15 Jahren Führerscheinbesitz nicht einmal einen Punkt in Flensburg.
Als passionierter Musiker half ich einer befreundeten Band im Oktober 2016 bei einem Auftritt aus und besuchte in der ersten Oktoberwoche letzten Jahres deren Probe, um mich auf den Auftritt vorzubereiten. Die Probe fand am 2. Oktober am späten Abend gegen 22 Uhr, ungefähr 80 km von meiner Heimatstadt entfernt, statt. Am Abend zuvor hatte ich mich mit einem Freund getroffen, den ich länger nicht gesehen hatte, und wir beschlossen gemeinsam bei ihm zu kochen. Während des Abends teilten wir uns einen Joint, an dem ich gegen 23 Uhr das letzte Mal zog.  
Da ich mich an dem Tag der Probe fit fühlte und auch schon fast ein ganzer Tag dazwischen lag, entschied ich mich das Auto zu nehmen.
Nach getaner Probe fuhr ich gegen 23:30 los und wurde gegen Mitternacht auf halber Strecke auf der Autobahn von der Polizei angehalten und zu einer Urinkontrolle überredet. Angaben, ob und wieviel ich rauchte, machte ich nicht. Der Urintest verlief positiv und nach einigen Tests (z.B. wurde mir in die Augen geleuchtet) wurde mir gesagt, dass meine Augenlieder verdächtig flackern würden. Daraufhin sollte ich zu einer Blutuntersuchung mit auf das Revier kommen. Auf meine Frage, ob ich irgendwie auffällig gewesen sei, wurde mir bestätigt, dass ich keine auffällige Fahrweise an den Tag legte. Mein Auto sollte an dem Autobahnparkplatz stehen bleiben.
Ungefähr eine Stunde später war dann die zuständige Ärztin anwesend und machte mit mir weitere Tests: Ich sollte mit geschlossenen Augen 30 Sekunden abschätzen, auf einer Linie gehen, auf einem Bein stehen und so weiter. Zudem nahm sie mir Blut ab. Bei den Tests kam ich mir vor wie ein Alkoholiker oder Drogenjunkie, der sich entgegen jeglicher Vernunft hinters Steuer setzen würde.
Nach dem Test wurde ich mitten in der Nacht von der Polizeiwache entlassen, mein Auto musste ich aber 24 Stunden stehen lassen und den Schlüssel für mein Fahrzeug abgeben. Auf meine Frage, wie ich denn nachts um zwei nach Hause kommen sollte, riet man mir, mir doch ein Hotel zu nehmen. Es war unter der Woche und ich musste am nächsten Morgen arbeiten. Zum Glück war mein Mitbewohner noch wach und konnte mich mitten in der Nacht abholen!
Da ich meiner Meinung nach nichts zu befürchten hatte, dachte ich mir nichts weiter dabei. Für alle Fälle rief ich jedoch am nächsten Tag meine Anwältin an, die mich etwas beruhigte. Seitdem habe ich meinen Konsum umgehend eingestellt.
Knapp drei Monate später, einen Tag vor Weihnachten, kam ein Brief von meiner zuständigen Führerscheinstelle. In dem Schreiben wurde der festgestellt Wert mit 1,4 ng/ml THC beziffert, Abbauwerte wurden nicht angegeben. Ich wurde von der Führerscheinstelle als „gelegentlicher Konsument“ eingestuft und aufgefordert, meinen Führerschein abzugeben. Laut Schreiben hätte ich noch sieben Tage Zeit gehabt, mich zum Sachverhalt zu äußern, was aufgrund der Feiertage zwischen den Jahren sowieso schwierig geworden wäre. Darüber hinaus riet mir meine Anwältin, mich nicht dazu zu äußern. Die Abgabe meines Führerscheins bei der Führerscheinstelle sollte innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Meine Anwältin ging daraufhin in Widerspruch, was mir vorerst meinen Führerschein wieder brachte und zu einem Vergleich seitens der Führerscheinstelle führte.
Mittlerweile tauchten die Abbauwerte auf, die bei 0,47ng/ml Hydroxy-THC und 9,5 ng THC-Carbonsäure lagen. Parallel kam zwischen den Jahren die Anordnung vom Regierungspräsidium, 500€ plus den Bluttest zu bezahlen. Dazu kamen zwei Punkte in Flensburg und ein einmonatiges Fahrverbot. Der Vergleich der Führerscheinstelle bestand aus einem ärztlichen Gutachten über mein Konsumverhalten und zwei unangekündigten Urinproben.
Im Gutachten wurde bestätigt, dass ich gelegentlicher Konsument sei und in der Lage wäre zu trennen, die Urinproben waren negativ. Obwohl das ärztliche Gutachten besagte, dass ich trennen könne, ist das für die Entscheidung der Führerscheinstelle irrelevant, da das nicht Teil der Fragestellung war. Das Ergebnis kam dieses Jahr Ende Mai.
Auf Grund meines „Konsummusters“ wurde mir gesagt, ich sei „Gelegenheitskonsument”, der aufgrund des Wertes über 1,0 ng/ml nicht trennen könne und somit nicht in der Lage sei, ein Fahrzeug zu führen. Jetzt müsse ich eine MPU machen und eine Abstinenzzeit von 6 oder 12 Monaten nachweisen. Also genau dasselbe wie bei Leuten, die mit 1,6 Promille am Steuer erwischt werden und offensichtlich betrunken fahren.
Ich habe jetzt schon 2500 € für den Führerscheinentzug inklusive der Anwaltskosten bezahlt. Dazu kommen mit MPU, Urinscreenings und Vorbereitungskurs vermutlich noch einmal 1500€ auf mich zu. Mein angespartes Geld für mein Masterstudium im Oktober ist damit weg.
Zwischenzeitlich geriet ich als Beifahrer zufällig in eine Polizeikontrolle. Einer der Polizisten sprach mich auf meinen fehlenden Führerschein an. Ich erklärte ihm den Sachverhalt. Selbst der Polizist fand die Geschichte „eigenartig“, als ich ihm meine Werte nannte. Ich hatte keinerlei Rauschwirkung, bin nicht auffällig gefahren und habe 24 Stunden gewartet, bevor ich ein Fahrzeug führte! Als ich mein ärztliches Gutachten machte, habe ich mit Leuten bei der TÜV-Gutachterstelle im Wartezimmer gesessen, die ihren Führerschein wegen mehreren Promille, Mischkonsum, Aggressivität im Straßenverkehr ihren Führerschein abgeben sollten – und nun werde ich genauso hart bestraft wie diese Leute.
Ich bin Sozialarbeiter im Bereich Streetwork. In meinem beruflichen Alltag werde ich daher mit anderen Drogen konfrontiert und sehe persönlich wesentlich größere Probleme mit Alkohol und härteren Drogen wie Amphetamin, Kokain und Crystal Meth.
Keiner sollte verantwortungslos am Straßenverkehr teilnehmen, aber die Rechtsprechung bei THC empfinde ich als willkürlich und inadäquat!