Jens Malert* (Name geändert) – Cannabis als Medizin und Verlust der Fahrerlaubnis

Am 27.04.17 fuhr ich wie jeden Tag früh morgens zur Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt war mein Leben perfekt: privat, sozial und beruflich lief alles super. Super Freundin, die Ausbildung meiner Träume und ich war zu dieser Zeit so zufrieden mit mir wie noch nie zuvor. Nachdem ich aus meiner Siedlung in Ochsenfurt Richtung Arbeit fahren wollte, stand die Polizei mir gegenüber an einer Ausfahrt mit laufendem Motor. Nachdem sie mich und mein altes rotes Auto sahen, hielten sie direkt hinter mir. Da ich von einem der Beamten in der Vergangenheit bereits schon einmal kontrolliert wurde, wussten die Beamten sofort, wer ich bin.
Die Beamten gaben an, dass ich nicht auffällig gefahren sei oder sonstiges. Zudem wurde mir vermittelt,  dass ich ein echt netter und lieber Kerl sei. Im Vieraugengespräch teilte ich dem vertrauenswürdigeren der beiden Polizisten, der mich aus meiner Vergangenheit schon kannte, in der es mir psychisch nicht so gut ging, mit, dass ich schon seit Januar versuche Cannabis als Medizin verordnet zu bekommen, da ich an Depressionen, ADHS und chronischen Migräneanfällen leide. Der Beamte wünschte mir sogar viel Glück. Wenn es mir helfe, hätte ich es aus seiner Sicht verdient. Er redete mir Mut zu und meinte, dass bestimmt alles gut ausgehen wird.
Die Kontrolle geschah morgens um acht Uhr, mein letzter Konsum war um 21:30 Uhr am Abend vorher. Aufgrund der Kontrolle und des Urintests kam ich drei Stunden zu spät zur Arbeit und wusste auch nicht, wie ich diese Verspätung begründen soll.
Die ersten Tage nach der Kontrolle waren sehr anstrengend. Um endlich nicht mehr in solche Situationen zu geraten und wegen meiner Selbstbehandlung mit Cannabis meinen Führerschein zu verlieren, versuchte ich einen Arzt zu finden, der mir gegen meine Erkrankung Cannabis verordnet. Es hilft mir einfach mehr als die anderen Medikamente, drückt nicht so auf meine Psyche und gibt mir ein besseres Lebensgefühl! Leider habe ich bis heute kein Rezept. Ich meldete mich bei 18 Ärzten in meiner Umgebung und wurde überall abgewiesen. In meiner Not meldete ich mich bei Dr. Grotenhermen, der sich aber aufgrund technischer Probleme erst spät zurückmeldete.
Eine Woche vor meinem Geburtstag erhielt ich einen Anruf von der Polizei. Der bei mir festgestellte Wert betrug 1,2 ng/ml aktives THC und 12,4ng/ml THC-Cooh. Die Aussicht auf ein gegen mich eingeleitetes Verfahren zerstörte mir natürlich etwas die Freude auf meinen Geburtstag. Aber wenn mich meine Vergangenheit eins lehrte, dann zu kämpfen, egal wie schwer es ist!
Nachdem sich die Lage wieder etwas beruhigte und es mir einigermaßen besser ging, kam am 20.06.17 ein Brief von der Polizei. Meine Strafe: 2 Punkte, 671,31 € und ein einmonatiges Fahrverbot. Den Betrag sollte ich bis spätestens Oktober überweisen, den Führerschein sollte ich ebenfalls bis dahin abgeben. In diesem Moment brach meine Welt zusammen: Sofort machte ich mir Gedanken über meinen Arbeitsplatz, hatte Sorgen wegen meiner Beziehung und ob ich das alles verkraften würde. Sofort meldete ich mich bei meiner Anwältin, die mir die ganze Sache anfangs schön reden wollte. Sie meinte, ich solle einfach machen was die Polizei von mir verlangt.
Nach längeren Gesprächen mit meinen Eltern und meiner Freundin fand ich mich mit dem bevorstehenden Verlust meines Führerscheins ab. Ich plante für diesen August einen Urlaub mit meiner Freundin, um uns trotz der schwierigen Situation eine schöne Zeit zu machen und unsere Beziehung zu stärken. Leider wird es dazu nicht kommen, da am 15.07.17 ein Brief vom Landratsamt Würzburg kam. Mir wurde mitgeteilt, dass ich innerhalb der nächsten zehn Tage meinen Führerschein abgeben soll. Wie lange mein Führerschein weg sein würde, wurde mir nicht gesagt.
Nach Erhalt des Briefes bin ich im ersten Moment zusammengebrochen. Alle meine Pläne gingen den Bach herunter. Mit der angestrebten Cannabistherapie konnte ich noch immer keine Fortschritte verzeichnen.
Kurzum: Mir geht es seit diesem Vorfall wieder schlechter und ich habe einfach nur große Panik, dass ich alles verlieren könnte!
Im Großen und Ganzen hat die ganze Sache solche massive Auswirkungen auf mein Leben. Meine Krankheitssymptome werden stärker, ich habe starke Selbstzweifel und große Angst und Panik, zur Arbeit zu gehen. Ich will meine Freundin da nicht weiter unnötig hineinziehen, weiß aber auch nicht, wie ich mit ihr darüber reden soll.
Das Schlimmste an dem Ganzen ist, dass ich mich einfach allein gelassen fühle; dass mir keiner helfen möchte und mir niemand die Hand reicht. Aktuell belaste ich meine Freundin und meine Eltern massiv. Sie wollen mir zwar irgendwie helfen, aber sie verstehen nicht, wie sehr mir Cannabis im Gegensatz zu den anderen Medikamenten geholfen hat. Dank Cannabis habe ich mich im Gegensatz zur Behandlung mit Psychopharmaka zum ersten Mal richtig gut gefühlt, ich war selbstbewusster und voller Lebensfreude.
Jetzt ist fast alles beim Alten was meine Psyche und mein Wohlergehen angeht. Meine größte Angst ist, dass ich im Rahmen der MPU wieder medikamentös eingestellt werde. Dann bin ich wieder nicht ich selbst und vielleicht verschlimmert sich dann sogar alles. Ich bin verzweifelt.