Florian Wallert* (Name geändert) – 1,1ng, fragwürdige Haartests und 3000 € Kosten

Ich wurde am 17.7.14 gegen 23 Uhr im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle kontrolliert. Es gab keine auffällige Fahrweise oder sonst einen konkreten Grund. Der Polizist forderte meine Papiere und wollte das Warndreieck sehen.  Nachdem ich ausstieg, interessierte er sich nicht mehr für mein Warndreieck, sondern meinte plötzlich, ich sähe aus als würde ich Drogen nehmen. Angeblich sah ich nervös, blass und zittrig aus, weshalb ich diverse Tests wie Kopf in den Nacken und auf einem Bein stehen absolvieren musste. Klar war ich nervös, es war schließlich meine erste Polizeikontrolle! Ich fragte den Beamten, wieso er an meiner Fahrtauglichkeit zweifele und was ihn dazu berechtige, mich solche nichtssagenden Tests absolvieren zu lassen. Daraufhin wurde einer der Beamte laut, ging mich ziemlich an und meinte nur, dass er das so in seiner Ausbildung gelernt habe.
Dann wollten die Polizisten, dass ich einen Urintest mache, welchen ich verweigerte. Würde ich diesen nicht machen, würden sie mich eben zum Bluttest mitnehmen – wenn es sein muss sogar in Handschellen. Ich fragte nach dem richterlichen Beschluss worauf mir mitgeteilt wurde, dass die Beamten keinen brauchen. Im Krankenhaus musste ich unter ärztlicher Aufsicht dieselben Tests nochmal absolvieren. Der Arzt sagte, bei mir sei alles normal und kreuzte auf dem Fragebogen auch überall “sicher” an. Ich wies den Arzt mehrfach darauf hin, dass ich nicht will dass er mir Blut abnimmt. Da der Polizist aber wieder mit dem Druckmittel Handschellen kam, gab ich klein bei und ließ mir Blut abnehmen. Meine Werte waren 1,1ng/ml aktives THC und 19,9ng/ml THC-COOH.
Zugegebenermaßen: Ich war nicht gerade freundlich zu den Beamten. Allerdings empfand und empfinde ich das Vorgehen der Polizisten mehr als unfreundlich. Den Dienstausweis wollte mir keiner der Beamten zeigen. Nach dem Bluttests wurde mir mitgeteilt, dass ich nach Hause gefahren werden würde, ich aber vorher noch mit zur Wache kommen sollte, um dort etwas zu unterschreiben. Als ich mich weigerte, dort die Zettel zu unterschreiben, wurde mir eröffnet, dass ich nun doch nicht  heimgefahren werde. Es blieb mir nichts anderes übrig als nachts um halb eins noch sechs Kilometer im T-Shirt nach Hause zu laufen.
Bald darauf erhielt ich den Bußgeldbescheid und einen Monat Fahrverbot. Das fachärztliche Gutachten ergab gelegentlichen Konsum, woraufhin ich die MPU machen musste. Diese war negativ weil ich nicht genug Haartests hatte. Mir wurde bei der MPU-Vorbereitung gesagt, dass ich Mischkonsum zugeben soll. Allerdings hatte ich aber nur ein halbes Jahr Haartests und man braucht dann ja Nachweise über ein ganzes Jahr. Zum Zeitpunkt der MPU hatte ich den Haartest aber noch nicht vorliegen. Dieser hätte mir ohnehin nichts gebracht, da er am Cutoff Wert bei 0,02 ng positiv war – und das obwohl ich meinen Konsum eingestellt hatte! Die Haartesterei kann ich einfach nicht nachvollziehen: Der erste Haartest beim fachärztlichen Gutachten war negativ, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch konsumierte. Dann hörte ich wegen der weiteren Tests auf und beide Tests sind beide Mal positiv. Und das alles beim selben Labor!
(Anmerkung des DHV: Passiver Konsum, selbst Streicheleinheiten eines Konsumenten, der über seinen Schweiß Drogenreste absondert, können zu einem positiven Haartest führen. Mehr Infos und Hintergründe gibt es hier und hier)
Durch den Verlust meines Führerscheins bin ich mobilitätstechnisch massiv eingeschränkt, denn ich wohne auf dem Land und hier fahren kaum Busse.
Bislang hat alles, also Gutachten, MPU, die ganzen Tests, das Bußgeld, das Seminar und die Vorbereitung etc. an die 3000 Euro gekostet. Meine Ersparnisse sind damit futsch und den vor zwei Jahren  abgegeben Führerschein habe ich trotzdem noch nicht wieder. Mehr Geld hatte ich nicht, woher auch mit 19 Jahren! Meine Eltern zahlten gar nichts, ich musste alles selber übernehmen.
Durch die ganze Sache habe ich erheblichen Stress mit meinen Eltern bekommen. Ein angekratztes Vertrauensverhältnis und Enttäuschung sind das Resultat. Meine Eltern werden auch nicht müde, sich bei jedem für die Geschichte zu rechtfertigen und allen immer wieder zu erzähle, dass ich wegen Cannabis den Führerschein verloren habe…
Den Führerschein wegen Gras zu verlieren stigmatisiert einen ja regelrecht vor dem Rest der „Gesellschaft“, für die Kiffen so ist wie Heroin zu nehmen. Ich habe mich endlos schrecklich gefühlt.
Das Unangenehmste ist, dass mir unterstellt wird, ich wäre “voll zugekifft gefahren” – dabei war ich voll fit und alles in bester Ordnung. Mich nervt dieses lästige Rechtfertigen und Erklären, warum ich meinen Führerschein verloren habe. Das und die Hilflosigkeit die man spürt, wenn man von Amt zu Amt oder TÜV etc. geschickt wird, macht mir am meisten zu schaffen. Keiner hat wirklich eine Ahnung, aber alle wollen Geld für alles Mögliche.  Ich fühle mich wie ein Spielball für die Führerscheinindustrie.